Die Geschichte des österreichischen Pinschers

Am Beginn des vorigen Jahrhunderts lernte Emil Hauck bei seinen Reisen durch das damalige Österreich den Hofhund des Pinschertyps kennen. Diese, wegen ihrer Farbe oft Semmelhunde genannten Tiere, stimmten in ihren Formen fast völlig mit gefundenen Skeletten des Canis palustris überein.

Wegen der Gefahr der Verdrängung des Landpinschers durch andere moderene Rassen strebte Emil Hauck die Anerkennung dieses jahrtausende alten Hundetyps durch den ÖKV und die FCI an, was 1928 schließlich auch gelang. Genannt wurde diese neue Rasse, um ihre Herkunft anzugeben und eine Verwechslung mit dem Schnauzer (damals rauhaariger Pinscher) zu vermeiden, Österreichischer kurzhaariger Pinscher.

Anfangs wurde seine Zucht stark forciert, es konnte allerdings nie eine stabile Population aufgebaut werden. Sehr beliebt war die einzige österreichische Nicht-Jagdhunderasse allerdings nie und mit Beginn des 2. Weltkriegs setzte ihr erster Niedergang ein. Das führte soweit, dass in den 70iger Jahren, ausgelöst durch sehr geringe Welpenzahlen und steigende Inzuchtkoeffizienten, nur noch ein einziger fruchtbarer Pinscher übrig war: Diokles von Angern. Mit diesem Rüden und Landpinschern unbekannter Herkunft gelang es Fr. Therese Wochian und vorallem der Fam. Mangold (und noch einigen anderen engagierten Pinscherliebhabern), den Österreichischen Pinscher vor dem Aussterben zu bewahren. Es begannen sich auch Züchter aus dem Ausland für den Österreicher zu interessieren.

Das Wesen des österreichischen Pinschers

Um sich die Charaktereigenschaften eines Österreichischen Pinscher verständlich zu machen, muß man auf seinen ursprünglichen Verwendungszweck zurückblicken: Als Hofhund erwartete man sich von ihm, dass er Eindringlinge lautstark meldete, Haus und Hof frei von Nagern hielt, beim Treiben von Vieh mithalf und selbstverständlich auch ohne Zaun beim Hof blieb. Und so wie damals ist der Österreichische Pinscher auch heute noch ein guter Wachhund, er ist Fremden gegenüber zunächst mißtrauisch – seine Freunde möchte er sich selbst aussuchen – hat er jemanden aber einmal ins Herz geschlossen, kommt sein weicher Kern dann zum Tragen. Pinscher sind oftmals sehr verschmust, ja sie fordern ihre Streicheleinheiten richtiggehend und sind ihrer Familie sehr verbunden.

Das war ja auch nötig, er sollte sich ja nicht weit vom Hof entfernen und vorallem nicht wildern gehen. Demgemäß ist die Jagdleidenschaft (außgenommen kleine Nager) des Österreichers schwach ausgebildet. Umso stärker ist dafür sein Willen ausgeprägt. Beim Treiben von Vieh wurde von ihm mehr oder weniger selbständiges Arbeiten verlangt und so versucht er auch jetzt noch oft bei der Erziehung mit erstaunlichem Einfallsreichtum seine eigenen Varianten zu entwickeln. Der Österreichische Pinscher ist ein aktiver, lebhafter Hund, der sich gerne draußen aufhält. Keineswegs nervös – ist er, wenn er ausgelastet ist, auch im Haus ein sehr angenehmer Zeitgenosse. Seine Menschen liebt er heiß und kommt auch mit Kindern, wenn diese die hündischen Höflichkeitsregeln beachten, sehr gut aus.

Alles in allem ist der Österreichische Pinscher DER Hund für aktive, humorvolle, selbstbewußte Menschen, die sich gern in der freien Natur aufhalten und weder einen Despoten noch einen exotischen Rassehund wollen.

Die Gesundheit des österreichischen Pinschers

Prinzipiell ist der Österreichische Pinscher eine robuste, wenig krankheitsanfällige Rasse. Meist sucht man den Tierarzt nur zu den regelmäßig zu verabreichenden Impfungen und Entwurmungen auf. Einen dauernd vor sich hin kränkelnden Hofhund konnte und kann schließlich niemand gebrauchen.

Probleme einer seltenen und zahlenmäßig kleinen Rasse
Durch den kleinen Genpool gibt es jedoch in bestimmten Linien teilweise sehr hohe Inzuchtkoeffizienten. Je höher der Inzuchtkoeffizient, desto höher ist das Risiko des jeweiligen Hundes unter den nachteiligen Folgen der In- und Linienzucht zu leiden. Dazu gehören: verminderte „Fitness“ also z. B. verminderte Fruchtbarkeit und Immunabwehr, geringeres Lebensalter, erhöhtes Risiko unter Erbdefekten zu leiden usw. Bei einer Studie an Pudeln hat man zum Beispiel herausgefunden, dass Pudel mit einem IK unter 6,25% um durchschnittlich 4 Jahre länger lebten als solche mit einem IK über 25%.

Problemlösungsstrategien
Zur Genpoolvergrößerung werdem zum einen Landpinscher eingekreuzt und die Zucht mit sog. „Registerhunden“ gefördern und zum anderen werden Verpaarungen auch nach dem Verwandheitsgrad (inzuchtkoeffizient) der Elterntiere ausgewählt. Dies geschieht auf der Basis einer computergestützten Datenbank (Optimate), die speziell für die Zucht seltener Haustierrassen entwickelt wurde.

Weiters werden alle Zuchttiere (und nach Möglichkeit auch deren Verwandte) im Rahmen der Erwachsenenuntersuchung vom Tierarzt untersucht.

Es werden möglichst viele verschiede Zuchttiere eingesetzt und Paarungen werden nur in Ausnahmefällen wiederholt. Selektionsschwerpunkte sind Gesundheit, Wesen und dann erst die „Schönheit“. All dies ist in der Zuchtordnung geregelt.

Das Zuchtbuch liegt direkt beim ÖKV. Bei Züchtern, die einer Wurfabnahme von unserem Klub zustimmen, bei der festgehalten wird, wie die Welpen gezeichnet sind, deren Kopfform, Rutenhaltung usw festgehalten wird und ganz wichtig, wie sie aufgezogen wurden also Haltungsbedingungen überprüft werden, deren Welpen erhalten das KÖP-Zertifikat.